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Von Nazi-Schergen grausam ermordet

Auch er war unter den Opfern: Dietrich Bonhoeffer ist heute die bedeutendste Verkörperung des kirchlichen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Er hatte die Möglichkeit, Deutschland zu verlassen. Jedoch: Er blieb, unterstützte eine Verschwörung gegen Hitler – und starb einen grausamen Tod. Am Donnerstagvormittag kam der Autor Alois Prinz in die Herrenberger Stadtbibliothek, um Schülern der Hilde-Domin-Schule von ihm zu erzählen.

Alois Prinz berichtete angehenden Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen in der Stadtbibliothek aus Bonhoeffers Leben GB-Foto: Bäuerle

Alois Prinz berichtete angehenden Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen in der Stadtbibliothek aus Bonhoeffers Leben GB-Foto: Bäuerle

Alois Prinz war nicht zum ersten Mal in Herrenberg zu Gast – vor Jahren schon stellte er in der Stadtbibliothek seine Biografie der engagierten Journalistin und späteren RAF-Terroristin Ulrike Meinhof vor. Prinz, geboren 1958 in Niederbayern, verfasste mehrere Biografien zeitgeschichtlicher Persönlichkeiten für Jugendliche und Erwachsene: Er schrieb über Jesus und Paulus, Franz Kafka, Hermann Hesse, Joseph Goebbels, Hannah Arendt, Bernward Vesper und Klaus Mann. Sein religiöser Hintergrund ist offensichtlich – Prinz besuchte eine jesuitische Hochschule und ist mit einer evangelischen Pfarrerin verheiratet –, drängt sich aber niemals in den Vordergrund. Das Bild, das er von Dietrich Bonhoeffer zeichnet, wirkt durchaus idealistisch. Zugleich hält Alois Prinz sich aber auch an eine Differenzierung, die Bonhoeffer für sich selber fand: der Unterschied zwischen dem Idol und dem Vorbild, das auch Fehler haben muss.

Bonhoeffers Leben von Kind an
bis ins Konzentrationslager

In seinem etwas mehr als einstündigem Vortrag verfolgt Alois Prinz Dietrich Bonhoeffers Weg von Kindesbeinen bis ins Konzentrationslager. Er stellt Bonhoeffer vor als das auffallende unter acht Kindern einer Familie aus Breslau, die späterhin nach Berlin ziehen sollte: Ein kleiner Junge in Mädchenkleidern, mit blondem Pagenkopf, leicht füllig, inmitten seiner dunkelhaarigen, schlanken Geschwister. Selbst Bonhoeffers Zwillingsschwester sieht ihrem Bruder auf den ersten Blick kaum ähnlich. „Die Familie musste großen Blutzins zahlen“, sagt Alois Prinz über die Bonhoeffers. Er wird diesen Satz gegen Ende seines Vortrages wiederholen. Mehrere Geschwister Dietrichs wurden von Nationalsozialisten ermordet.

Auf Bildern wächst Bonhoeffer heran, wird groß und kräftig, zeitweilig auch recht rauflustig. Ein sehr sportlicher junger Mann, der in kaum einer Sportart zu schlagen war, sich dann aber entschloss, Theologie zu studieren und sehr früh schon promovierte: „Das wurde in seiner Familie so erwartet.“ Alois Prinz sieht den Leistungsdruck, den die Kinder einer großbürgerlichen Familie vor 100 Jahren auf sich nehmen mussten, nicht ohne Skepsis, beurteilt den Einfluss des strengen Vaters auf Dietrich Bonhoeffer jedoch auch positiv: In seiner Kindheit durfte Bonhoeffer am Esstisch nicht ungefragt den Mund auftun und vor allem nicht „in Phrasen“ reden. Auf diese Disziplin führt Prinz es zurück, dass Bonhoeffer den Sprachstil der Nazis früh schon ablehnte.

Es sind 44 angehende Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen, die Alois Prinz am Donnerstagvormittag in der Herrenberger Stadtbibliothek lauschen; später am Tag wird er in der Schule vor Schülerinnen praxisorientierter Klassen lesen. Prinz spricht auch über die pädagogischen Jahre Dietrich Bonhoeffers, über sein Verhältnis zur Jugend, darüber, dass Bonhoeffer sich gerne vor allem schwieriger Schüler annahm. Die Schwäche, die Alois Prinz dem großen Vorbild Bonhoeffer vor allem anrechnet, ist die der Entscheidung: Zu lange blieb der Theologe unentschlossen, als es um sein eigenes Leben ging. Bonhoeffer war in Pläne deutscher Militärs, Hitler zu ermorden, involviert. Er wurde im April 1943 verhaftet und nach zwei Jahren der Ungewissheit im April 1945 auf grausame Weise in einem Hof des Konzentrationslagers Flossenbürg ermordet. Auf ausdrücklichen Wunsch Hitlers wurden Bonhoeffer und einige Mitverschwörer, darunter auch der konservative Admiral Wilhelm Canaris, an Haken aufgehängt und über Stunden hinweg erdrosselt.

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Erstellt:
7. Februar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 36sec

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